Freitag, 13. Februar 2026

Shattered Dreams ...

Heute vor 13 Jahren stand ich am roten Leuchtstreifen in Genf und wartete mit klopfendem Herzen auf ihn. Ich weiss noch genau, wie aufgeregt ich war. 

Als ich meinen letzten Blogpost von 2018 wieder gelesen habe, hat es mich tief getroffen. Wie glücklich ich damals war. Wie sehr ich geliebt habe. Ich sehr ich geglaubt habe, wir seien unerschütterlich. Die Erinnerung an diese Zeit ist verblasst. 

2018 war vielleicht unser Höhepunkt. Danach wurde das Leben schwerer. Und ich wurde müder. Sorgen, Überlastung, innere Erschöpfung - ich zog mich zurück, ohne es wirklich zu merken und geriet immer mehr in einen Überlebensmodus. Ich funktionierte nur noch und Nähe fiel mir zunehmend schwer. 

Und während ich innerlich erstarrte, entfernten wir uns langsam voneinander. Kein Drama. Kein grosser Knall. Nur ein leises, aber stetiges Auseinanderdriften. Wir lebten zusammen in dem grossen Haus und aus einem Miteinander wurde im Alltag schleichend ein Nebeneinander. 

Wir waren früher so verbunden miteinander und die unzähligen Nachrichten, die wir täglich ausgetauscht haben, erzeugten Nähe. Doch sie wurden weniger und im echten Alltag fehlten uns irgendwann die Worte. Wenn ich Probleme ansprach, fühlte er sich angegriffen. Wenn er schwieg, fühlte ich mich allein. Und so entstand etwas zwischen uns, das wir nicht mehr überbrücken konnten.

Der Tod seines Vaters hat ihn verändert. So war es auch bei mir damals, als mein Vater im April 2012 plötzlich starb. Es hat so viel ausgelöst und es hat das Ende meiner Ehe besiegelt. Die Geschichte wiederholt sich. 

Der endgültige Abschied kam für mich kurz vor Weihnachten. Ich war nicht darauf vorbereitet. Ich habe zu spät realisiert, dass er innerlich längst weg war. 

Die letzten Wochen waren voller Trauer, Fassungslosigkeit und voller Fragen, die nicht mehr beantwortet werden können. Wir haben es verpasst, sie rechtzeitig zu diskutieren. Und da ist auch viel Wut und auch Enttäuschung. Verletzte Gefühle auf beiden Seiten. Aber vor allem Schmerz darüber, dass die Liebe nicht gereicht hat. 

Heute Morgen lag eine Karte in der Küche:


„Ich habe unser erstes Treffen am roten Leuchtstreifen in

Genf nicht vergessen.

Die 13 Jahre gehören zu uns und ich bin für vieles davon dankbar.“


Diese Nüchternheit tut weh. 

Ja, sie gehören zu uns. Und genau das macht es so schwer. 

Nun leben wir noch unter einem Dach, in getrennten Zimmern. Wir versorgen gemeinsam unsere Katzen. Der Alltag geht weiter, auch wenn etwas Entscheidendes fehlt. 

Dreizehn Jahre sind ein Stück Leben. Sie waren echt. Sie waren intensiv. Und sie haben mich geprägt. Ich kann sie nicht einfach weglegen. Ich muss lernen, sie loszulassen. 

Das tut weh. 

Vielleich können wir eines Tages einfach Freunde sein. Ich wünsche es mir. 

Eure Rosalie

Dienstag, 13. Februar 2018

1826 Tage mit Herrn B.


Es war der 13. Februar 2013, der meinem Leben eine neue Wende gab. Das Datum war zufällig gewählt, weil die Kinder nach der Schule zu ihrem Vater gingen und ich "sturmfrei" hatte. Die 13, immer wieder die 13. Sie verfolgt mich seit meiner Geburt und ich habe sie zu meiner Glückszahl erkoren.

Es war ein Mittwoch, als ich vor fünf Jahren am 13. Februar in Neuchâtel den Zug nach Genève-Cointrin bestieg, um am Genfer Flughafen einen Mann zu treffen, der mich in seinen täglichen WhatsApp-Nachrichten „Liebste“ nannte, obwohl wir uns noch nie zuvor gesehen hatten. 

 „Liebste“ …  Das fühlte sich gut an. Und es war neu für mich. So hatte mich noch nie jemand in einer Nachricht angesprochen. 

So sass ich in diesem Zug und schaute aus dem Fenster und versuchte mich abzulenken. Ich dachte an seinen allerersten Kommentar auf meinem Blog. An den Text kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber an das Gefühl, als ich ihn las. Es fühlte sich seltsam vertraut an. Dieser fremde Mann im fernen Berlin schrieb irgendwie so ähnlich wie ich! Ich spürte instinktiv, dass wir verwandte Seelen waren. Dass da etwas war bzw. ist, das uns beide verbindet. 

Und so stand ich am roten Leuchtstreifen in der Ankunftshalle und wartete auf den Mann aus Berlin und mein Herz schlug bis zum Hals und meine Wangen waren vermutlich gerötet. Dann endlich die erlösende Umarmung. Das erste „Beschnuppern“, der erste Kuss ...  und das Händchenhalten im Zug auf dem Weg zurück. Die Haut seiner warmen Hände fühlte sich so unglaublich glatt an. Ich liebte sie sofort, diese Hände. Sie lösen noch heute ein Kribbeln aus, wenn ich sie betrachte. Und natürlich seine Stimme ... Er hat eine ganz tolle Stimme und ich liebe seine Art zu sprechen… Seine Nähe fühlte sich gleichermassen fremd wie vertraut an. Eine ganz spezielle Mischung und das ist bis heute ein wenig so geblieben. Dieses kleine Quäntchen „Fremdheit“, das dazu führt, dass man den Partner nie als einen Teil von sich selbst wahrnimmt sondern immer als eigenständige Persönlichkeit und vermutlich ist das einer der Gründe, weshalb das gegenseitige Begehren in den fünf Jahren unserer Beziehung nie wirklich gelitten hat.

Die Liebe ist gewachsen an den Herausforderungen, die wir auf unserem Weg gemeinsam gemeistert haben. Manchmal wache ich in der Nacht auf und drehe mich zu ihm um und schaue, ob er noch atmet… und verspüre eine grosse Dankbarkeit, dass wir uns gefunden haben und dass er nun neben mir im Bett liegt und sein Leben mit mir teilt. Und ich bin froh, dass ich damals nach unserem kurzen Unterbruch doch noch nach Berlin geflogen bin und wir uns wieder gefunden haben.

Er ist in gewisser Weise mein männliches Pendant und mein Leben mit ihm ist so wunderbar unkompliziert, weil wir in vielen Bereichen sehr ähnlich sind und weil wir uns so gut verstehen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er meine Gedanken lesen kann und oft sagen wir gleichzeitig dasselbe Wort oder denselben Satz, weil unsere Gehirne offenbar irgendwie synchron laufen! 

1‘826 Tage sind seit diesem denkwürdigen Tag in Genf vergangen und wir haben mehr als 100'000 WhatsApp-Nachrichten ausgetauscht. Er hat mich jeden Tag, an dem wir zusammen aber räumlich getrennt waren, mit seiner Morgennachricht zum Lächeln gebracht.
 

Danke, mein Liebster!

Danke, dass es Dich gibt, dass Du mich liebst, dass Du nie an mir herummäkelst und mit mir durch dick und dünn gehst, dass Du mich so nimmst, wie ich bin, dass Du mir immer noch jeden Morgen einen Kaffee und ein Monchéri ans Bett bringst und dass Du mein Fels in der Brandung bist! 

Je t’aime!

 

Deine Rosalie



 

Sonntag, 5. März 2017

Ein Woche im Februar (II)

Mittwoch, 22. Februar 2017

Gleiches Morgenritual wie Montag und Dienstag. Ich fahre die Kinder in die Schule und wir verabschieden uns bis Freitagabend. Ich fahre weiter ins Büro. Wie immer vor den Ferien nehme ich mir vor, im Büro noch möglichst viele Pendenzen abzubauen bzw.  ältere Fälle zu erledigen. Die unerledigten Eingaben stapeln sich im Regal. Die Arbeit ist physisch sichtbar in Form von Aktenbergen. Das macht die Sache nicht einfacher. Jeden Posteingang innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt zu beantworten und jeden Fall innerhalb von drei Monaten abzuschliessen, gestaltet sich bei Teilzeitarbeit schwierig und ich hatte deswegen schon Ärger mit meinem Chef. Im Büro angekommen sichte ich die neuen Posteingänge, für die ich zuständig bin. Und prompt ist eine dringende Anfrage dabei, die unmöglich anderthalb Wochen unbearbeitet bleiben kann. Die Anfrage ist kompliziert und arbeitsaufwändig. Ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt. Mache nur 30 Minuten Pause über Mittag, um mir kurz ein Sandwich zu holen. Von wegen, alte Pendenzen abbauen...

Um 19 Uhr stemple ich trotzdem aus und beginne, an einer privaten Stellungnahme zu schreiben bzw. Beweismittel (Fotos) in Worddateien zu packen und auszudrucken, da ich zuhause keinen farbigen Laserprinter habe. Um 21:15 Uhr komme ich endlich nach Hause, wo mich mein Schatz schon sehnsüchtig erwartet. Die Kinder sind bis Freitagabend bei ihrem Vater.

Donnerstag, 23. Februar 2017

06:45 Uhr. Der Liebste bringt mir den Kaffee ans Bett und fährt kurz darauf an die Arbeit. Ich bin allein zu Hause. Bin sooooo müde. Hatte wie immer eine Wachphase irgendwann zwischen drei und vier Uhr in der Nacht. So gegen 07:30 Uhr raffe ich mich auf und gehe ins Bad... Komme kurz nach neun Uhr im Büro an und arbeite mit einer 30minütigen Mittagspause bis abends um 20 Uhr. Habe nicht die Hälfte von all den Pendenzen erledigt, die ich vor den Ferien noch abschliessen wollte und beschliesse, am Freitagnachmittag nochmals ins Büro zu fahren. Ich widme mich noch kurz meiner privaten Eingabe - einer Stellungnahme an die zweite Instanz in Sachen  Bauvorhaben in der Nachbarschaft - und fahre so gegen 20:45 Uhr heimwärts. Mein Schatz hat schon alles vorbereitet und wir essen "Café complet", wie man bei uns sagt, oder "Stulle", wie der Berliner sagt. Will heissen: Brot, Trockenfleisch, Aufschnitt, Käse. Und statt Kaffee gibt es Rotwein.

Freitag, 24. Februar 2017

06:45 Uhr. Kaffee trinken mit meinem Schatz. Ich bin erneut mitten aus eine wirren Traum erwacht. Mein Schatz fährt ins Büro und kurz vor 08:00 Uhr kommt ein SMS von meinem Ex. Ich erkenne es am Tonfall. Obwohl jedes SMS auf meinem iPhone den gleichen Klang hat, merke ich es sofort, wenn es von meinem Ex kommt. Es klingt irgendwie drängend, fordernd, herausfordernd. Ich kann es mir auch nicht erklären, aber irgendwie klingt es anders als alle anderen SMS, die ich kriege. Was er schreibt, lässt meinen Puls gleich in die Höhe schnellen...

"Hallo Rosalie, die Kinder werde ich heute Nachmittag zu dir bringen, zw. 17.00 - 17.30h. Könntest Du sie dann am morgen Samstag nach dem Mittag zu mir bringen? Wir wollen dann zusammen in die Ferien fahren. Gruss Ex"

Mein Liebster hatte Recht. Wir hatten "gewettet", ob die Kinder sich durchsetzen können oder nicht. Eigentlich haben wir beide damit gerechnet, dass er sie rumkriegt. Wie immer. Sie wollten bekanntlich bis Sonntagmittag bei mir bleiben. Sie haben überhaupt keine Lust auf Skifahren. Möchten viel lieber noch ein wenig bei mir sein, ihre Ruhe haben und chillen.

Er kriegt sie immer rum. Indem er ihnen ein schlechtes Gewissen macht. Im Stil von "Aber ich möchte doch sooooooo gerne schon am Freitagnachmittag in die Berge. Allerallerspätestens aber Samstagmittag! Wir wollen doch zusammen skifahren gehen! Ich habe mich soooooo darauf gefreut! Ich habe doch schon alles eingekauft! ... Schon letztes Wochenden konnten wir nicht Skifahren, weil ich krank war, weil das Wetter schlecht war, etc. Ich bin soooo traurig (wahlweise auch enttäuscht), wenn ihr erst am Sonntag hochfahren wollt. Die Skisaison ist doch bald zu Ende und wir müssen doch noch profitieren, jetzt wo es endlich genug Schnee hat, und überhaupt - meine Liebste kann erst am Montag kommen und sonst bin ich am Samstag/Sonntag ja ganz allein!" .... etc., etc.  So läuft das in der Regel ab. Und die Kinder lenken ein, weil sie den Papa nicht enttäuschen wollen. Oder aus Bequemlichkeit. Der Weg des geringsten Widerstands. Dass sie die Mama enttäuschen, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Weil die Mama ja so lieb ist und alles verzeiht und sie nicht unter Druck setzt. Weil die Mama immer für sie die Kartoffeln aus dem Feuer holt und jede Feuerwehrübung mitmacht. Und Mama hat ja schliesslich ihren Herrn Beh und ist nicht alleine, während der "arme" Papa seine Freundin nicht so oft sieht, obwohl sie nur 35 Autominuten entfernt ist. Aber sie ist halt immer so beschäftigt ...

Ich habe mich geärgert, als ich das SMS gelesen habe. Wieder ist er mit seiner "Tränendrüsen-Tour" durchgekommen. Wieder hat er die Kinder manipuliert und wieder haben sie eingelenkt.

( Die Kinder werden bald von der Gerichtspräsidentin befragt werden. Es geht um die alternierende Obhut. Mir graut vor diesem Termin. Was sollen die Kinder denn sagen? Sie möchten, dass alles so weitergeht wie bisher. Aber das ist nicht möglich, weil ihr Vater mir nicht mehr den vollen Unterhaltsbeitrag für die Kinder bezahlen will. Letzlich wird er die Kinder genauso häufig sehen können wie bisher, wenn es so kommt, wie ich möchte. Aber es wird ein erweitertes Besuchsrecht sein und keine alternierende Obhut.  Letztere existiert eh nur auf dem Papier. Es ist eine alternierende Obhut zwischen der Mutter und der Grossmutter ... Aber das ist eine Geschichte für sich.)

Ich schicke meinem Liebsten einen Screenshot von der SMS und er ärgert sich sehr und wir schreiben hin und her bis ich aus dem Haus muss. Er meint, dass ich wegen der Kinderbefragung auf alles gefasst sein müsse... Die ganzen 45 Autominuten bis zu meinem Termin studiere ich daran herum und überlege, was ich tun soll. Ich fasse den Entschluss, dass ich diesmal nicht einfach so mitspielen werde. Ich werde die Kinder nicht übernehmen, damit wir bloss zusammen z'Nacht essen und sie danach in ihren Zimmern verschwinden, samstags bis elf Uhr schlafen und ich sie dann nach dem Frühstück auch noch zum Ex fahren soll, obwohl er danach in die Berge fährt und sie bei der Gelegenheit bei mir abholen könnte...

Auf dem Weg zum Termin erhalte ich noch einen Anruf von meinem Anwalt. Es geht um die Klage in Sachen Baumängel. Die Gegenpartei will offenbar doch verhandeln. Es geht um ein Thema, das mich sehr belastet. Kurz vor meinem Termin kriege ich stechende Kopfschmerzen. Aus dem Nichts... Ich nehme eine Kopfschmerztablette und nach dem Termin schreibe ich dem Ex eine kurze Nachricht. Ich lasse ihn wissen, dass diese Übernachtung der Kinder bei mir eine Alibiübung sei. Dass ich nicht mitspielen werde und er die Kinder unter diesen Umständen gleich das ganze Wochenende behalten könne und ich sie erst am Sonntag, dem 6. März,  nach meiner Rückkehr aus Berlin übernehmen könne. Und dass ich das verlorene Wochenende mit den Kindern  nachholen werde. Er beklagt sich über meinen Tonfall und kann nicht verstehen, dass ich verärgert bin. Ich sehe davon ab, darauf zu reagieren.

Ich beschliesse, trotz anhaltender Kopfschmerzen noch eine Besorgung zu machen. Ich will meiner Tochter ein neues Silberkettchen kaufen. Das wollten wir eigentlich am Abend zusammen machen. Sie trägt seit mehr als einem Jahr einen kleinen Anhänger an einer Silberkette um den Hals. Es ist ihr Glücksbringer. Nun ist das Kettchen gerissen. Ich möchte, dass sie ihren Glücksbringer in den Skiferien dabei hat. Während ich mit der Verkäuferin spreche und versuche, mich für ein Modell zu entscheiden, wird mir übel. Ich kriege Herzklopfen, spüre kalten Schweiss und mein Kreislauf spielt verrückt. Ich bezahle rasch das Kettchen und suche die nächste Toilette auf. Und warte, dass entweder etwas passiert, was Erleichterung bringt oder dass sich mein Kreislauf wieder so weit normalisiert, dass ich mich ins Auto setzen und weiterfahren kann... Nach zehn Minuten verlasse ich die Toilette und beschliesse, nach Hause zu fahren. Auf dem Heimweg ist mir himmelelend. Die Kopfschmerztablette hat nicht geholfen und ich habe Schmerzen im Oberbauch und wie oft in solchen Situationen habe ich das Gefühl, dass ich links in der Herzgegend ein Brennen und einen Druck verspüre, der in den linken Oberarm ausstrahlt. Zehn Minuten von meinem Wohnort entfernt, fahre ich rechts ran in einem Wohnquartier und überlege, was ich tun soll... Ich sitze im Auto. Fünf Minuten vergehen. Zehn Minuten. Was soll ich bloss tun? Schaffe ich es bis nach Hause? Und dann? Meine Kollegin kommt mir in den Sinn. Sie hat mir neulich den Link zu einem Artikel geschickt. Es ging um Herzinfarktsymptome bei Frauen. Diese zeigen sich oft nicht so deutlich wie bei Männern... Möglicherweise ist diese Tatsache darauf zurückzuführen, dass die bei Frauen auftretenden Symptome oft untypisch sind: So löst ein Herzinfarkt bei einer Frau oft Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen aus.  In vielen Fällen deuten sowohl Betroffene als auch Ärzte die Symptome falsch und erkennen den Herzinfarkt zu spät.

Und immer muss ich in solchen Situationen an meinen Vater denken. Hätte er seine Symptome Ernst genommen (Kurzatmigkeit, Schwindel, ...) und wäre zum Arzt gegangen, würde er heute vielleicht noch leben.

Ich denke an meine Kinder. An meinen Liebsten. Was ist, wenn es doch was Ernstes ist? Früher hätte ich in solchen Situationen meine "Frau für alle Fälle" angerufen. Eine Frau mit besonderen Fähigkeiten. Sie hat mir so oft geholfen und mir auch überflüssige Arztbesuche erspart. Und dann stirbt sie einfach weg... Letzten Sommer. Plötzlich lag da diese Todesanzeige im Briefkasten. Ich war geschockt und stand eine ganze Woche neben mir. Sie war mir eine so wichtige Stütze, auch wenn wir manchmal ein halbes Jahr oder länger keinen Kontakt hatten und unser Verhältnis ein Geschäftliches war. Aber da war auch immer so viel Herzlichkeit am Telefon und sie hat mich so gut gekannt, dass wir die Probleme telefonisch lösen konnten. Sie kannte meine familiäre Situation. Fast vierzehn Jahre lang hat sie mich begleitet und ich konnte sie immer anrufen, wenn ich einen Rat gebraucht habe. Sie fehlt mir sehr.

So sitze ich also im Auto auf dem Parkplatz vor dem Spital und bin hin- und hergerissen. Mein Hausarzt ist in den Ferien. Schliesslich schreibe ich meinem Schatz ein WhatsApp und er meint, ich solle besser in die nahe Notaufnahme fahren.  Als ich das lese, beginnen mir die Tränen übers Gesicht zu laufen und ich verliere kurz die Fassung.  Ich versuche mich wieder zu beruhigen und laufe die 200 Meter zum Eingang der Klinik, ohne mich um die Parkuhr zu kümmern. Als ich vor dem Empfang stehe, verliere ich wieder die Fassung. Ich bringe nur heraus,  dass ich nicht wisse, ob ich einen Migräneanfall oder einen Herzinfarkt hätte. Ob ich heimfahren und mich ins Bett legen oder untersuchen lassen solle. Dass ich mich wegen meinem Ex-Mann so aufgeregt hätte und gerade eine schwierige Zeit durchmachen würde. Die Dame am Empfang ist sehr verständnisvoll und meint,  dass es doch besser sei, wenn ich erst mal hier bleibe.

Zwei Minuten später kommt eine Pflegefachfrau und ich werde in ein Untersuchungszimmer gebeten. Sie verabreicht mir ein Schmerzmittel gegen die pulsierenden Kopfschmerzen und das flüssige Medikament dreht mir drei Minuten später den Magen um. Zum Glück reicht die Zeit noch aus, damit sie mir ein Behältnis aushändigen kann. Ich laufe zum Lavabo und der Schaden hält sich in Grenzen. Mein Magen ist leer. Nur Galle. Es ist halb zwei Uhr und ich habe noch nichts gegessen. Eine Magenverstimmung konnte es nicht sein.

Die Pflegefachfrau fragt mich, ob ich gut versichert sei... Ich bejahe und sie meint, dass sie das "ganze Programm" durchführen werde. Sie legt eine Infusion und verabreicht mir ein Schmerzmittel. Intravenös. Es folgte ein EKG und sie nimmt mir Blut ab und natürlich wird auch der Blutdruck und die Sauerstoffsättigung gemessen. Irgendwann hört mein kleiner Finger mit der Sauerstoffmessklemme auf zu Zittern und obwohl der Monitor ständig piepst, fühle ich mich etwas besser.

Nach einer halben Stunde kommt ein freundlicher junger Assistenzarzt und stellt mir viele Fragen, prüft meine Reflexe und meint, dass organisch alles in Ordnung sei. Dass ich mir keine Sorgen wegen meinem Herz machen solle. Das EKG sei unauffällig und auch das Blut sei in Ordnung. Er nimmt sich Zeit und verschreibt mir am Schluss ein Psychopharmaka, das bei Schlafstörungen helfen soll, weil es müde macht, ohne abhängig zu machen. Er frage mich, ob ich schon mal mit dem Gedanken gepielt hätte, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich bejahe...

Er war wirklich empathisch und hat sich viel Zeit genommen. Letztlich wäre der Besuch in der Notaufnahme nicht notwendig gewesen. Aber er hat mich beruhigt und mir gezeigt, dass ich ziemlich am Limit bin und dass meine Schwachstelle  - das vegetative Nervensystem - einmal mehr reagiert hat.

Ich bin dann nach Hause gefahren und habe mich ausgeruht. Ich fühlte mich nur noch leer. Trotzdem habe ich mich nochmals aufgerafft und die Beschwerde fertig geschrieben und bin auf die Post gefahren, die zehn Autominuten entfernt ist. Fünf Minuten vor der Schliessung der Post habe ich das Einschreiben am Schalter aufgegeben. Danach war die Luft endgültig raus.

Vorher hatte ich noch mit den Kindern telefoniert. Wir haben vereinbart, dass sie am Samstagvormittag vorbeikommen und alles abholen, was sie für die Ferienwoche in den Bergen noch benötigen.

Am Samstag habe ich vier Stunden im Garten gearbeitet. Lavendel und verblühte Stauden zurückgeschnitten. Zur Entspannung. Es hat mir gut getan. Und ich habe mich sehr auf Berlin gefreut. Auf ein paar Tage weit weg von den Alltagssorgen. Zeit für meinen Liebsten, Zeit für mich.

Dass ich mich noch freuen kann, ist ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass ich nicht depressiv bin, auch wenn ich manchmal trübe Gedanken habe. Vielleicht sollte ich meinen Psychologen von früher wieder kontaktieren. Es ist so viel passiert seit der Trennung und es sind einige Dinge vorgefallen, die ich nicht so ohne weiteres wegstecken kann, obwohl ich daran arbeite. Das Antidepressivum, das mir der Arzt wegen der Schlafstörung verschrieben hat, habe ich nicht besorgt. Ich hoffe, dass ich es auch so schaffen werde. Ohne Medikamente. Wir werden sehen.


Mittwoch, 1. März 2017

Der ganz normale Wahnsinn. Eine Woche im Februar 2017 (I)

Eine (fast) ganz normale Woche im Rückblick...

Montag, 20. Februar 2017

08.00 Uhr: Kinder in die Schule gefahren. (Das geht mit öV nicht, weil die Schule in einem anderen Schulkreis liegt. Ist eine Geschichte für sich... ).  Kurz ein paar Lebensmittel eingekauft und nach Hause zurückgefahren. Wäsche in die Maschine geschmissen. Mit meiner Freundin eine Dreiviertelstunde lang telefoniert und über ihren Scheidungskrieg gesprochen. Und über meinen. Währenddessen die Küche aufgeräumt und geputzt. (Ihr Ex verhält sich genauso beschissen wie meiner. Hat seiner zwanzig Jahre jüngeren ehemaligen Praktikantin ein Kind gemacht und die langjährige Ehefrau soll sich nun gefälligst unverzüglich aus seinem Leben entfernen und das neue Familienglück nicht auch noch finanziell beeinträchtigen. Er macht in seinem Budget drei Parkplätze für ein  einziges Auto an zwei verschiedenen Domizilen geltend und will ihr die (bescheidenen) Ausgaben für den Familienhund streichen. Er findet es schamlos von ihr, dass sie von ihm Unterhalt verlangt und "nur" 50 % arbeitet. Schliesslich hatte sie all die Jahre ein "Flohnerleben" als zweifache Mutter mit Haus und Hund und Nebenjob, während er hart für die Brötchen der Familie arbeiten musste...  Die Kinder sind 10 und 14 Jahre alt, der Hund gehört seit 9 Jahren zur Familie ...  Da bin ich mit meinem Ex und seiner essgestörten Astrologin ja noch ganz gut bedient. (Ironie aus).  Aber ich komme vom Thema ab ...)

11.35 Uhr: Der Mann, der den Rasenmäher für den Service abholen soll, ruft an und will gleich vorbeikommen. Sehr gut. Das Reminder-Mail meines Liebsten hat Wirkung gezeigt. Ich sitze in der Küche vor dem Lappie und schreibe halbherzig an einer Einsprache gegen ein  Bauvorhaben in der Nachbarschaft. Die Vierte seit Anfang 2015. Ist ebenfalls eine Geschichte für sich.

14.00 Uhr: Ich diskutiere mit einer anderen Freundin per WhatsApp, wie wir das Problem lösen könnten, dass unsere beiden Jungs in das Gymnasium ihrer Wahl gehen dürfen und trotzdem die zweisprachige Option wählen können und nicht auf deutsch wechseln zu müssen. Beide Jungs sind bilingue. Die Chancen stehen schlecht. Mein Ausnahmegesuch ist bereits abgelehnt worden, ihres noch hängig. Sie hat sich gleich an die nächste Instanz gewendet. Zur Wahl steht prozessieren oder umziehen oder dem Kind klarmachen, dass man im Leben  Kompromisse machen muss. Und akzeptieren, dass mein Sohn aus politischen Gründen nicht die Ausbildung machen kann, die ihm am besten entspricht und die er sich wünscht. Auf jeden Fall nicht in der gewünschten Stadt,  sondern in einem Kaff in the middle of nowhere. Einige seiner Schulkollegen haben freie Wahl. Weil sie im Nachbarort wohnen. Mag mich mit dieser Ungerechtigkeit nicht abfinden und sinniere weiter über Lösungsmöglichkeiten nach.

15.00 Uhr: Der Rasenmähermann ist immer noch nicht da. 15.20 Uhr: Endlich! Mache in letzter Minute  ein Foto von unserem Rasenmäher, damit ich das Ding wiedererkenne, wenn es nach dem Service wieder zurückgebracht wird. Sehen doch alle irgendwie gleich aus... 

15.40 Uhr: Fahre los, um die Tochter abzuholen. Besorge mit ihr im nahen Supermarkt einen Convenience-Salat ihrer Wahl aus dem Kühlregal für den Dienstagmittag in der Schule. Danach holen wir den Sohn ab, der am Montagnachmittag eine Dreiviertelstunde später Schulschluss hat. Bringe den Sohn nach Hause und fahre mit Tochter zehn Minuten weiter in die andere Richtung in ein kleines Einkaufszentrum mit Kleiderläden, weil sie dringend eine neue Hose braucht. Wir finden eine coole Jeans. Tochter will sie knalleng. Schlage eine Nummer grösser vor. Wäre vorteilhafter. Aber Tochter setzt sich durch. Habe keine Energie mehr für schmollende Töchter und kaufe ihr die enge Jeans für 59 Franken. Wir kommen um 18.15 Uhr nach Hause und mein Liebster hat schon damit begonnen, das Abendessen vorzubereiten. <3 Nach dem Essen fahren wir ohne die Kinder an die Gemeindeversammlung. Früher war dafür ein fünfminütiger Spaziergang nötig, heute eine 15-minütige Autofahrt. Was für ein Schwachsinn, diese Gemeindefusionen... Teilnahme ist aber wichtig. Aus Gründen... Schicke den Kindern um 22 Uhr ein WhatsApp, dass sie schon mal ins Bett gehen sollen, da noch kein Ende der Versammlung in Sicht ist. 
22.40 Uhr: Endlich zurück. Beide Kinder sind noch auf. Muss kurzfristig noch zwei Formulare für die Schule ausfüllen, die sie am Vortag hätten dem Klassenlehrer abgeben sollen und entscheiden, ob ich an einer Infoveranstaltung teilnehmen will bzw. soll. Bin unschlüssig. Werde am Dienstagmorgen entscheiden. Die letzte Wäsche liegt noch in der Wäschetrommel. Noch schnell im Schlafzimmer den kleinen Wäscheständer aufstellen. Die Luft ist eh viel zu trocken. LF unter 40 %.
23.45 Uhr: Ich falle ins Bett. Der Liebste schläft schon. Schlafe ebenfalls innert Sekunden ein. Gegen 4 Uhr längere Wachphase.

Dienstag, 21. Februar 2017

06.45 Uhr: Mein Liebster bringt mir den Kaffee ans Bett. Und ein Mon Chéri. Wie jeden Morgen! (Auch am Montag, hab's nur vergessen zu erwähnen). Er ist ein Goldstück! Wache auf und bin noch mitten in einem Traum. Wie immer Action und Verfolgung. Bin ständig gehetzt, auch nachts. Er fährt los, ich lese News und Blogposts auf dem iPhone. Mag nicht aufstehen. Bin noch sooooo müde. Um 7 Uhr 15 tue ich es trotzdem. Duschen, Kinder wecken, Frühstück hinstellen, Makeup auflegen und kurz vor 8 Uhr aus dem Fenster schauen und checken, ob die Autoscheiben vereist sind...  Kinder anfeuern oder mich von den Kindern anfeuern lassen... "Mama! Es ist acht Uhr! Wir müssen los.....".  Outfit der Tochter checken... Oh man! Mich ärgern. Wieder kein Unterleibchen! Nur ein loses T-Shirt, das knapp den Bauchnabel bedeckt. Und wieder diese furchtbaren Leggins! Verlange von der Tochter, dass sie ein Unterleibchen anzieht. Es ist zwei Grad draussen! Tochter ist wütend und schmollt. Bin auch verärgert. Nerve mich über ihren Kleiderstil. Das sieht so billig aus. Diese verfluchten amerikanischen High-School-Soaps sind schuld, die sie immer auf Youtube schaut. Oder die essgestörte Astrologin? Who knows. Sie will sich immer so betont sexy anziehen. Aber wir sind hier nicht in Kalifornien, es ist Winter und sie ist erst 13! Ich möchte, dass sie die neue Jeans anzieht. Sie will nicht. Gebe Forfait. Braucht alles so viel Energie...

08.17 Uhr: Liefere die Kinder vor der Schule ab (drei Minuten vor Schulbeginn) und fahre anschliessend weiter ins Büro.  Meine Freundin schickt ein Whatsapp. Wir telefonieren auf der Fahrt ins Büro. Es geht um ihre Scheidung. Sie hat Panik vor der ersten Gerichtsverhandlung im März. Ich habe schon zwei davon hinter mir...

12.30 Uhr: Tochter meldet sich per Facetime, dass ich sie vom Volleyball abmelden soll. Gründe sind fadenscheinig. Nach einigen SMS schreibe ich doch das Mail an den Trainer... Versuche mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Fällt schwer. Um 13.30 Uhr hole ich mir rasch im nahen Supermarkt etwas zu Essen. Bastle den ganzen Nachmittag an einer Verfügung herum und suche Argumente. Muss mich in die Materie einlesen. Habe Mühe, mich auf die Arbeit zu konzentrieren.

16.00 Uhr Kinder nehmen den Zug nach Hause. Sehe auf der SBB-App, dass der Zug Verspätung hat und die Busverbindung zu unserem Wohnort ev. nicht klappt... Auch das noch! Verfolge auf dem iPhone, wo Tochter sich gerade befindet. (Danke Apple für die Erfindung der Freunde-App! Ein Segen für gestresste Mütter von Teenagertöchtern! Sohnemann hat auf Android umgestellt... ;-/ ) GPS-Standort der Tochter bewegt sich auf der Buslinie vorwärts. Schwein gehabt. Uns trennen 35 Autominuten und der nächste Bus fährt erst eine Stunde später. Der Bahnhof liegt "in the middle of nowhere".

Arbeite bis ca. 18.15 Uhr und fahre dann heimwärts. Bin gegen 19 Uhr zu Hause. Abendessen kochen, mit Kindern besprechen, wie es am nächsten Wochenende laufen wird. Es ist mein Wochenende mit den Kindern. Aber gleichzeitig beginnen die Skiferien und Ex will mit ihnen in die Ferienwohnung. Am liebsten gleich am Freitag nach der Schule. Sie möchten gerne schon am Freitagabend zu mir kommen und bis Sonntagmorgen bleiben. Finde ich gut. Kann die Kinder überzeugen, dass sie alles einpacken (Kleider, Lappies, Toilettensachen, etc.) und mit in die Schule nehmen, was sie für die nächsten drei Tage bei ihrem Vater brauchen, damit Ex die Sachen nicht am Abend bei mir abholen muss, weil Oma ausfällt. Sie muss sich um den Opa kümmern. Er ist im Spital. Die Kinder machen sich grosse Sorgen. Das erfahre ich so nebenbei und per Zufall. Gegen 23 Uhr sind wir alle im Bett.

Das waren die ersten beiden Wochentage. Und das war noch längst nicht alles, was an diesen beiden Tagen gelaufen ist. Der ganz normale Wahnsinn... To be continued.

(P.S. Die Schweiz ist ein Dorf und wer glaubt, einige der Protagonisten zu erkennen, soll bitte schweigen wie ein Grab, sonst muss ich dieses Blog auf privat stellen.  Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich rein zufällig, etc.)

Sonntag, 12. Februar 2017

Burnoutsymptome

Mein Optimismus im August 2016 war leider verfrüht... Nehmt es mir bitte nicht übel.

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: es gibt so vieles, über das ich berichten möchte, weil ich innerlich fast platze und es irgendwie loswerden muss. Aber die schiere Menge an Herausforderungen (treffender: "Baustellen" im übertragenen Sinn) führt regelmässig dazu, dass ich mich wie paralysiert fühle. Ich weiss oft nicht mehr, wo ich anfangen soll. Weil alles gleichzeitig DRINGEND und WICHTIG ist. Zumindest gefühlt, aber oft auch in der Realität. Quasi eine ellenlange To-Do-Liste in der Kategorie A. Und jedes Thema für sich ist emotional hochgradig belastend. Und es sind mittlerweile Berge von ungeordnetem Papier und ein gutes Dutzend Aktenordner mit Schriftenwechseln, Mails, Beweismitteln etc. Die schiere Menge an Papier erschlägt und überfordert mich.

Diese zunehmende Überforderung äussert sich manchmal auch darin, dass man beginnt, die Wohnung zu putzen, anstatt die Belege für die Steuererklärung zusammenzusuchen, obwohl die Steuerbehörde eine ultimative Frist von 10 Tagen angesetzt hat und im Falle der Nichteinreichung der Steuererklärung eine Busse (für  meine deutsche Leserschaft: Ordnungsstrafe) in der Grössenordnung von 500 bis 1000 Franken androht. Und eine Veranlagung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse durch die Steuerbehörden. Und die fällt selten vorteilhaft aus. Vermutlich tut man das, weil man danach ein Ergebnis sieht. Weil man dabei nicht so viel denken muss. Es klingt verrückt...

Aktuell dominiert gerade wieder die Scheidung. Und deshalb will ich wieder bloggen. Ich muss das aufschreiben, damit ich es später nachlesen kann. Oder aber meine Kinder. Wenn sie in ca. dreissig Jahren selber in der Midlifecrisis stecken und ihre (verkorkste) Kindheit aufarbeiten und ich nicht mehr da sein werde. Vielleicht werden sie dann manches besser verstehen. Und vielleicht will ich es auch deshalb aufschreiben, damit ich es selber (besser) verstehen kann. Wie es soweit kommen konnte, dass ich gegenüber dem Vater meiner Kinder nur noch destruktive Gefühle empfinde und mir heimlich wünsche, er möge sich auf der Skipiste den Hals brechen, was natürlich furchtbar ist und wofür ich mich schäme. Und weshalb es so lange gedauert hat, bis sich dieses Gefühl trotz seinem schäbigen Verhalten mir gegenüber eingestellt hat und das letzte Quäntchen Loyalität verglüht ist.

Dass ich von meiner Veranlagung her so gepolt bin, dass sich gute Argumente und die richtigen Ideen immer erst dann einstellen, wenn die Deadline quasi vor der Türe steht - also buchstäblich in letzter Minute - macht die Sache nicht einfacher. Und mein verdammter Perfektionismus und die hohen Ansprüche an mich selbst führen dazu, dass ich sehr viel Zeit brauche, um eine Stellungnahme zu verfassen oder ein wichtiges Mail zu schreiben. Oder ein Post. Weil ich es x-mal umschreibe und überarbeite. Vermutlich die besten Voraussetzungen, um als Burnout-Opfer zu enden. Einige Anzeichen bzw. Warnzeichen machen sich bereits bemerkbar. Gelegentliche Blackouts. Namen und Wörter, die mir nicht mehr einfallen und die Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen. Und dass ich falsche Wörter schreibe ("wie" anstatt "weil" etc.) und es erst beim Korrekturlesen bemerke. Es könnte aber auch mit meinen Schlafstörungen zusammenhängen. Ich liege jede Nacht wach, manchmal mehrere Stunden lang und grüble und argumentiere und versuche, meine wippenden Füsse im Zaum zu halten und den hohen Puls runterzubringen. Meistens lenke ich mich ab, indem ich auf dem iPhone Blogs und News lese oder auch Gerichtsurteile und Gesetzestexte, bis mir wieder die Augen zufallen und das Grübeln im Unterbewusstsein sich im Dämmerschlaf fortsetzt. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich des Nachts einen Entschluss gefasst habe, den ich bei Tag in die Tat umgesetzt habe und es sind mir in meinen nächtlichen Wachphasen gute Argumente eingefallen. Manchmal überwiegt aber auch nur das ohnmächtige Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein und die Angst, dass alles schief laufen könnte. Dass es mir nicht gelingen wird, den Sachverhalt vor dem Richter klar darzulegen und dass die Gegenpartei am Ende mit ihren Lügen durchkommt.

Und immer geht es dabei auch um Respekt. Besser gesagt um fehlenden Respekt. Um das Gefühl, nicht respektiert worden zu sein. Hintergangen und übers Ohr gehauen worden zu sein. Nicht das erhalten zu haben, was einem nach eigenem Ermessen zugestanden hätte bzw. zusteht oder versprochen oder in Aussicht gestellt worden ist. Vom Vater meiner Kinder, von den Verkäufern meines Hauses, von meiner ehemaligen Mieterin. Und ich kämpfe wie eine Löwin dafür, mir diesen Respekt zu verschaffen und dies auch mithilfe von Anwälten. Aber bekanntlich ist man vor Gericht so ausgeliefert wie auf hoher See. Letztlich gibt es keine Garantie für Gerechtigkeit und der Anwalt kann nur gewinnen, egal wie der Prozess ausgeht. Je länger das Verfahren dauert, desto mehr verdient er daran. Am Schluss gewinnt die Partei, die finanziell stärker ist. Das alles kommt  mir zuweilen vor wie ein nicht enden wollender Albtraum an dessen Ende im schlimmsten Fall ein totales persönliches Desaster und der finanzielle Ruin steht.

Donnerstag, 25. August 2016

Zwei Jahre später ....

Wo soll ich anfangen? Hmmm.... gar nicht so einfach!

Coucou, ich bin wieder da? Das hatten wir schon mal, ich weiss! Ich kann auch nicht versprechen, dass ich wieder regelmässig schreiben werde. Aber ich bin ziemlich sicher, dass es nicht wieder zwei lange Jahre dauert, bis ich das nächste Post veröffentliche. Ich weiss aus sicherer Quelle, dass es noch die eine oder andere Leserin gibt, die sich freuen würde, von mir zu hören und vielleicht auch den einen oder anderen Leser. Obwohl ich auf dem Blog von meinem Liebsten nicht kommentiere, verfolge ich ihn natürlich aufmerksam  und habe Eure Kommentare mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen. :-)

Und mein Liebster plangt schon so lange auf diesen Moment ... ;-)
Nun, denn. Los geht's! :-*

Ich habe in den letzten beiden Jahren meine erste Wohnung eingerichtet und wieder geräumt und abgegeben, ein Haus gekauft, ganz viel über Vertragsrecht und alte Häuser gelernt, Aufträge an Handwerker vergeben, zum ersten (und voraussichtlich letzten) Mal eine Wohnung vermietet, mich intensiv mit Mietrecht und dessen Missbrauch befasst, eine Rechtschutzversicherung abgeschlossen, unzählige Stunden und Nerven für Berechnungen im Hinblick auf die bevorstehende Scheidung aufgewendet bzw. verschwendet, zwei Einsprachen gegen Bauvorhaben eingereicht, mein Arbeitspensum im Büro erhöht, mit einem Banker über eine Hypothek verhandelt, mich mehrmals fürchterlich über den Vater meiner Kinder aufgeregt, mich über die unverschämten Rechnungen meines Scheidungsanwalts geärgert, zwei Klagen und mehrere Betreibungen eingereicht, vor Gericht auf französisch ein "Plädoyer" gehalten! Und dafür Lob vom Bauanwalt erhalten. Und ich bin zum ersten Mal nach New York geflogen und überhaupt zum ersten Mal in die USA gereist!

Es waren zwei äusserst intensive Jahre und ich bin an meine Leistungsgrenzen gekommen. Auch gesundheitlich. Ich habe eine Venen-OP über mich ergehen lassen und es bitter bereut. Ich habe viel getrauert und meinen Vater vermisst und erkannt, dass ich auf mich alleine gestellt bin. Dass 20 gemeinsame Jahre nichts mehr zählen, wenn man sich getrennt hat. Dass die Menschen, die mir wirklich ganz Nahe stehen und in der Not für mich da sind, sich an einer Hand abzählen lassen. Ich habe viele Nächte wach gelegen und gegrübelt, gezweifelt und manchmal auch geweint. Aber ich habe in dieser Zeit auch Positives erlebt, gelacht, geliebt und Lebenserfahrung gesammelt, die ich nicht missen möchte. 

Noch niemals in meinem ganzen Leben hatte ich so viele Belastungen gleichzeitig und war mit so vielen Herausforderungen gleichzeitig konfrontiert. Ohne meinen Liebsten und die Liebe meiner Kinder hätte ich das alles nicht durchgestanden. Ich bin überhaupt überrascht, wie stark ich bin und was ich alles leisten kann! Ich hätte mir das niemals zugetraut! Dass ich das alles kann, was ich seit Monaten tue ... Und dass ich endlich mein Gewicht reduzieren kann! Dem ganzen Stress zum Trotz! 12 kg habe ich seit November verloren und ich fühle mich endlich wieder sexy und wohl in meiner Haut.

Ich denke, es ist die Liebe, die mich so stark macht. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich eine Stütze, einen Mann, der für mich da ist. Jeden Tag, auch wenn er physisch 900 km weit entfernt ist. Ein Mann, der mir Kraft gibt. Das ist neu für mich. Dafür bin ich dankbar. Das ist ein grosses Glück. Und bald ist er hier bei mir. Jeden Tag. Darauf freue ich mich sehr. Ich kann und will mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. <3






Soviel von mir für den Moment. Ich bin müde. Nun werde ich mein Glas Rotwein austrinken und schlafen gehen. Bis bald!


Samstag, 5. Juli 2014

Coucou! Ich bin wieder da!

Coucou? Liest da noch jemand? Ist schon ein Weilchen her, seit ich zum letzten Mal etwas gepostet habe, ich weiss... Das war so nicht geplant. Ich wollte mir nur eine kurze Auszeit nehmen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst. Und aus der Schreibpause wurde mit der Zeit eine regelrechte Schreibblockade und ich habe den Wiedereinstieg vor mich her geschoben wie so vieles andere in meinem Leben. Prokrastination nennt sich das im Fachjargon  und ich bin auf diesem Gebiet Spezialistin. Wenn ich das Gefühl habe, den Überblick zu verlieren und nicht mehr weiss, wo ich anfangen soll, dann lähmt mich das. Eine Zeitlang kann ich lästige Tasks und To-Dos prima ausblenden und mich ablenken, aber wenn der Stapel ungeöffneter Briefpost höher und höher wird, komme ich dann doch irgendwann noch zur Besinnung und laufe kurz vor Ablauf einer realen oder imaginären Deadline quasi in letzter Minute zu Hochform auf.  Ich kriege dann alles noch auf die Reihe und ärgere mich zwar über überrissene Mahngebühren und frage mich, weshalb ich die Rechnungen nicht früher bezahlt habe, aber ich nehme mir auch immer wieder gute Vorsätze. Irgendwie  kriege ich immer alles hin. In letzter Minute zwar und mit einem ungesund hohen Adrenalinspiegel, aber ich funktioniere einfach so. Seit meiner Schulzeit. Eigentlich schon immer.  - Ich fürchte, ich wiederhole mich. Habe ich das nicht schon einmal so geschrieben? Oder so ähnlich? Naja, egal. "Äs isch eso", wie wir zu sagen pflegen.

Ich habe mich also nicht zurückgezogen, weil es mir so gut geht, dass ich nichts mehr zu berichten weiss. Nein, so ist es nicht... Es war eine emotionale Zeit. Ich habe viele Tränen vergossen. Tränen der Trauer, der Enttäuschung, der Wut. Es sind Dinge passiert, die mich so wütend gemacht haben, dass ich das dringende Bedürfnis hatte, Gegenstände zu zerstören, was bei mir extrem selten vorkommt. Diese Wut war in mir noch angestaut und musste wohl einfach noch raus und es war eine Aktion von meinem Mann und meiner Schwiegermutter, die diese extremen Gefühle in mir ausgelöst hat. Vielleicht werde ich mal noch darüber berichten. Ich hatte ein emotionales nächtliches Post darüber geschrieben und als ich es am nächsten Morgen nochmals überarbeitet hatte, gab ich es meinem Liebsten und meiner Freundin N. zum Lesen und irgendwie hatte es sich damit erledigt. Es ging mir danach besser und ich wollte mich nicht mit so einem krassen Post wieder aus der Funkstille zurückmelden. Das ist nun auch schon wieder gut drei Monate her. Vielleicht werde ich irgendwann noch etwas darüber posten. 

Ich habe in den letzten Monaten bestimmt Tausendmal daran gedacht, endlich Eure letzten Kommentare zu beantworten, aber die Anstandsfrist ist natürlich längst abgelaufen. Nichts desto Trotz! Den wundervollen, genialen, so herrlich emotionalen und leidenschaftlichen Kommentar, den die zauberhafte Frau Ayse zu nächtlicher Stunde geschrieben hat, bringt mich noch immer zum Lächeln. Es ist etwas vom Schönsten, was ich hier je gelesen habe und sie hat so Recht: Er ist wirklich ein wunderbarer Mann und ich bin dem Universum sehr, sehr dankbar, dass wir uns gefunden haben. Ganz ehrlich - ich hätte es auch nicht für möglich gehalten, jemals einen Mann zu finden, mit dem ich mich so wohl fühle. Ein Mann  der so ähnlich tickt wie ich. Der emotional, sensibel und leidenschaftlich ist, der warmherzig, lieb, gutmütig ist, der das selbe fühlt wie ich, ohne jedoch seine männliche Seite zu verleugnen. Es knistert noch immer wie am ersten Tag zwischen uns. Ein Kuss genügt und .... das ist wirklich genial! Und ich habe mich noch niemals so wohl und geborgen gefühlt in den Armen eines Mannes. Er lässt mich zur Ruhe kommen und wir verstehen uns ohne Worte. Manchmal denke ich, dass ich diesen Blog hier schreiben musste, um ihn zu finden bzw. mich von ihm finden zu lassen! 

Liebe Ayse, Dein Kommentar hat mich tief berührt und ich danke Dir von ganzem Herzen dafür. Bitte nimm es mir nicht übel, dass ich so lange geschwiegen habe.  :-*

Und dass ich dem Herrn Zaubermann ein breites Grinsen entlocken und dazu beitragen konnte, dass er den Glauben an Wunder nicht ganz verlieren mag, das bringt mich auch noch immer zum Schmunzeln. :-)  

Ich danke Euch allen für Eure lieben Zeilen und ich freue mich, wenn Ihr hier wieder mitlesen und kommentieren mögt. 

Es ist viel passiert in der Zwischenzeit. Ich hatte einen medizinischen Eingriff, vor dem ich grossen Respekt bzw. Bammel hatte und der nach sechs Wochen noch immer nicht ganz abgeheilt ist. Das  Verhältnis zur Schwiegermutter hat sich abgekühlt und meine rosa Brille ist auf den Boden gefallen und zersprungen. Mein Mann ist immer noch happy mit seiner "Bree van de Kamp" und sie nimmt immer mehr Raum ein in seinem Leben. Im Büro musste ich einen grossen Effort leisten, um mit alten Pendenzen aufzuräumen und das hat mich viel Zeit und Energie gekostet. Mit dem Aufräumen und Ordnen läuft es soso lala,  naja...  ist wohl (m)eine Lebensaufgabe! Und da waren da noch meine Kinder und das wichtigste Schulquartal in den letzten sechs Jahren! Ich habe viel mit Sohnemann gelernt und es hat sich gelohnt! Er wird die siebte Klasse im Untergymnasium beginnen! Nicht selbstverständlich für einen Legastheniker und noch dazu in einer Sprache, die nicht seine Muttersprache ist. Ich bin sehr stolz auf ihn! 

Eigentlich wollte ich mich in den letzten Wochen ganz auf meine Gesundheit konzentrieren. Und die Steuererklärung ausfüllen. Die Nachfrist ist gerade abgelaufen. Und für Mamas Haus eine neue Hypothek aushandeln. Längst überfällig! Und ich sollte endlich einen Termin mit der Autowerkstatt vereinbaren. Ist es wirklich schon Juli? Lohnt sich das noch mit dem Reifenwechsel...? Und meinem Blog wollte ich doch ein neues Outfit verpassen... Hmm... Das muss noch warten. 

Habe gerade viel zu tun! Ich bin nämlich Anfang Juni über ein neues Projekt gestolpert, das nun meine volle Aufmerksamkeit erfordert! Es ist ein Abenteuer... Und ich lerne gerade sehr viel Neues und beschäftige mich mit Bereichen, die mich früher nicht interessiert haben oder die ich mir nicht zugetraut hätte. Vor allem Letzteres! Ich werde berichten. :-) 

Nun wünsche ich Euch allen eine gute Nacht bzw. einen guten Morgen und ein schönes Wochenende und wer mich schon von der Blogroll geschmissen hat... Hey??!! Ich bin noch da! Das war doch nur eine kleine Auszeit! ;-)

Eure Rosalie


Sonntag, 12. Januar 2014

Sylvester 2013 und wie es hier weitergeht

Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich den Kindern die ungeheuerliche Nachricht eröffnet, dass sich ihre Eltern trennen werden und der Alltag sich für die ganze Familie verändern wird.

Ein Jahr später blicke ich zurück und darf sagen, dass es richtig war, diesen Schritt zu wagen. Heute geht es mir so viel besser als damals und wir sind ALLE glücklicher. Ich denke, da kann ich auch für meine Kinder und für meinen Mann sprechen. 

Ich habe meine Traumwohnung gefunden und - noch viel wichtiger - einen wundervollen Mann getroffen, mit dem mich eine emotionale Nähe verbindet, die elf Monate nach unserem ersten persönlichen Kontakt  immer noch an Intensität zu gewinnen scheint. Es ist eine Beziehung auf gleicher Augenhöhe und trotzdem darf ich auch mal schwach sein, ohne befürchten zu müssen, an Stärke zu verlieren. Und ich muss mir diese Liebe nicht "verdienen" - sie wird mir geschenkt und er gibt mir das Gefühl, dass ich seine Traumfrau bin. Nicht ersetzbar! Die gegenseitige physische Anziehungskraft ist unvermindert stark, was vielleicht auch dem Umstand geschuldet ist, dass wir keine Alltagsbeziehung führen können. 

In meinen kühnsten Träumen hätte ich nicht für möglich gehalten, dass ich den letzten Tag des Jahres 2013 gemeinsam mit meiner Kernfamilie (Ehemann und Kinder) und meinem Liebsten verbringen würde, und dass sich die beiden Männer ganz entspannt über das Leben in Ostberlin, den Mauerfall und andere Themen unterhalten würden! Und dass ich mit der Freundin meines Mannes über unsere benachbarten Heimatgemeinden und die Schulzeit plaudern würde. Aber von Anfang an:

Natürlich war ich ein wenig nervös bzw. angespannt, als wir am Silvesterabend um viertel nach sechs im Bergdorf ankamen und ich mein Auto vor dem Ferienhaus abstellte. Die Kinder hatten uns schon sehnlich erwartet und die Kleine lief mir in einem  Trägerkleidchen und in Hausschuhen über den schneebedeckten Weg entgegen! Was für eine Begrüssung! Sohnemann kam in Socken hinterher  und wir schleppten unsere Taschen und Einkaufstüten in den zweiten Stock. 

Nun würde ich sie also kennenlernen, die neue Frau an der Seite meines Mannes, die mich nach ersten optischen Eindrücken von Fotos und von der Beschreibung her ein wenig an Bree van de Kamp von den verzweifelten Hausfrauen erinnert. Diese gross gewachsene schlanke Frau, die so stolz einen seit Schulzeiten existierenden Übernamen trägt, der bei emanzipierten Erwachsenen beiderlei Geschlechts nach Bekanntgabe jeweils ein (- zumindest in Gedanken -) entgeistertes  "Uuups!" bzw. eher schon ein  "Ach du Scheisse!" auslöst …  und die eine Woche nach dem Kennenlernen den neuen Beziehungsstatus inkl. Namensangabe des Herzallerliebsten auf FB veröffentlicht hat.

Ich hatte mir vorgenommen, ihr trotz gewisser Vorbehalte offen und möglichst unvoreingenommen entgegen zu treten. Wir wurden im Türrahmen erwartet und ich gab der Frau die Hand und verabreichte ihr wie es in der französischen Schweiz üblich ist, gleich mal drei Müntschi auf die Wange. Der Tochter ebenso. Ihr Mann war etwas zurückhaltender (Deutschschweizer eben…;-), was ich respektiert habe. Alle drei machten einen sehr sympathischen Eindruck. Das "Eis" war gebrochen. 

Nach der Begrüssung gab es ein Glas Wein und mein Mann zeigte uns die neue Wohnung. Ich hatte verschiedene Outfits mitgenommen, weil ich keine Ahnung hatte, ob man den Abend im "kleinen Schwarzen" oder im Fleecepullover verbringen würde. Bree (ich werde sie jetzt mal bis auf weiteres so nennen) trug ein kniekurzes Kleidchen von Desigual, das ich mir am Vortrag in Berlin auch angeschaut hatte (!), schwarze Strumpfhosen und Perlen. Ich dankte kurz dem Universum, dass ich das Kleid NICHT gekauft habe. Ich entschied mich für schwarze Hosen und ein Outfit, das ich auch fürs Büro tragen würde und in dem ich mich wohl fühle. Mir war nach casual, nicht nach aufgebrezelt.

Die neue Wohnung war seltsamerweise nicht ganz fremd, denn schliesslich hatte ich meinem Mann ja eine Woche vorher mein Eisenbett, eine Garderobe, den für mein Empfinden viel zu grossen (dominanten) 46"-TV, ein Holztischchen und ein paar Stühle überlassen. Auch in der Küche kam mir einiges bekannt vor, unter anderem ein Korkenzieher von Alessi, von dem ich glaube, dass ich ihn von meinem ersten Freund irgendwann einmal geschenkt gekriegt habe. Oder habe ich ihn zu Beginn unserer Beziehung meinem Mann geschenkt? However, es passt nicht mehr zu mir, das Teil! 

Nach der Wohnungsbesichtigung setzten wir uns aufs Sofa und mein Mann zeigte via TV-Screen eine Diashow mit den neusten Fotos. Bree war ja schon ein paar Tage früher mit ihrer Tochter angereist, ihr Ehemann am Vorabend. Freudenstrahlende Kinder und lachende Erwachsene im Schnee. Die ganze Truppe inkl. Brees Mann hatte am Sylvestertag noch einen Schlittelausflug gemacht, der offensichtlich allen Beteiligen viel Spass gemacht hatte. 

Ich verdrängte den leise anklopfenden Gedanken, dass mir hier gerade sehr eindrücklich demonstriert wurde, dass man es auch ohne mich ganz lustig haben kann, und freute mich statt dessen darüber, dass meine Kinder offenbar viel Spass gehabt hatten. 

Brees Tochter ist ein hübsches, sehr sympathisches Mädchen und man könnte die drei Kinder ohne weiteres für Geschwister halten! Sie sind irgendwie typähnlich und verstehen sich ausgezeichnet untereinander. Auf einem der Fotos war zu sehen, wie die Fünfzehnjährige meiner zehnjährigen Tochter die Haare gewaschen hat. Sie hat eine Dreiviertelstunde gebraucht, um die Knoten im Rapunzelhaar zu entwirren und ich war dankbar, dass sie mir das abgenommen hatte. Anschliessend hatte sie ihr einen schönen Zopf geflochten, den die Kleine noch immer trug.

Nach dem Essen - es gab Raclette und Fleisch vom Tischgrill - haben wir auf Wunsch von Sohnemann Activity gespielt. Wir haben uns wirklich gut unterhalten und es war lustig und wir haben viel gelacht. Brees Mann taute auf und machte auf uns einen sehr sympathischen, erstaunlich relaxten Eindruck. Er schien sich keineswegs als fünftes Rad am Wagen zu fühlen, obwohl er ohne seine Freundin gekommen war. Nach einer Weile fiel mir erst auf, dass Bree und Tochter abwesend waren. Sie hatten sich für eine gefühlte halbe Stunde (oder länger) in ein Zimmer zurückgezogen und widmeten sich gemäss Aussage meiner Tochter ihren Smartphones oder iPads. Im Moment hatte ich es nicht so empfunden aber im Nachhinein fand ich dieses Verhalten etwas seltsam um nicht zu sagen unhöflich. Als sie dann wieder ins Wohnzimmer kamen, setzte sich Bree hinter meinen Mann auf den Teppich - er lag seitlich aufgestützt am Boden -  und begann ihn zu kraulen und zu streicheln, während die Tochter sich zu ihrem Papa gesellte. Ich sass neben meinem Schatz und meinem Sohn auf dem Sofa und fühlte mich wohl. Piccolina sass ebenfalls auf dem Boden. Der Anblick von Bree und meinem Mann machte mir überhaupt nichts aus! Die beiden kamen mir ein wenig vor wie ein Paar, das schon lange zusammen ist, dabei kennen sie sich gerade mal zwei Monate! Sie machten mir jetzt auch keinen besonders verliebten Eindruck, aber ich masse mir lieber kein Urteil an. ;-)

Irgendwann so gegen 22.45 Uhr hatte Bree jemand dann den Wunsch, dass man doch noch nach draussen an die frische Luft gehen sollte und so gingen wir alle hinunter ins Dorf. Eine gute Viertelstunde (gefühlte halbe Stunde) talwärts dauerte der Marsch und kaum waren wir im Dorf, wollte "man" schon wieder zurück - noch nicht mal für einen Glühwein hatte es gereicht - und so kamen wir knapp vor Mitternacht wieder in der Wohnung an. Der Schweizer Champagner wurde entkorkt und ich weiss nur noch, dass mein Schatz und ich uns lange geküsst haben und auf ein glückliches neues Jahr angestossen haben. Mein Mann hat mich kurz umarmt und auf die Wange geküsst, und ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich mit Bree und Mann Küsschen ausgetauscht oder nur Prost gemacht habe.  

Wir haben uns dann wieder aufs Sofa gesetzt und uns unterhalten und dann ist Bree mit Tochter im Schlepptau aufgestanden und verschwunden. Eine Viertelstunde später kam sie um die Ecke und wünschte eine gute Nacht!! Im Pyjama!!!

Mein Schatz und ich schauten uns mit grossen Augen an und er witzelte etwas von "lahme Party und müden Schweizern" und ich hatte den Eindruck, dass auch mein Mann vom abrupten Abgang seiner neuen Herzdame einigermassen überrascht war! Wir unterhielten uns dann noch eine gute Viertelstunde und schliesslich fühlte sich mein Mann wohl "gemüssigt" seiner Bree ins Schlafgemach zu folgen und verabschiedete sich. Ich  kümmerte mich um Sohnemann, der auf dem Sofa schon halbwegs eingeschlafen war und zog mich dann mit meinem Schatz ebenfalls zurück. Es muss so gegen ein Uhr gewesen sein. 

Am Neujahrstag haben wir ausgeschlafen und als wir ins Wohnzimmer kamen, waren  Bree und mein Mann gerade daran, Richtung Dorf aufzubrechen, um frisches Brot zu holen. Ich war einigermassen erstaunt, denn mein Mann hatte sein liebstes Haushaltsgerät, eine König-Brotbackmaschine, mitgenommen und der Duft von frischem Brot lag in der Luft. Ein Blick aufs Gerät zeigte die verliebende Backdauer an: 45 Minuten. Als die beiden aus dem Dorf zurückkamen, war das Brot gerade fertig… 

Bree ass ein Magerjoghurt und hatte schon vor dem Abmarsch "demonstrativ" eine Orange, eine Mandarine und einen Apfel auf ihrem Teller platziert. 59 kg müssen verdient sein! He, he, he… 

Mein Schatz und ich assen frisches Brot, Croissants und Käse und tranken einen Kaffee und ich konnte es mir nicht verkneifen, meinen Mann nach einem "Schoggijoghurt" zu fragen! Wohlwissend, dass keines im Kühlschrank war! Selbstkasteiung ist so gar nicht meins und ich verzichte lieber ganz auf Joghurts, als eines dieser grässlichen 0,1%-Fett Joghurts zu essen. Inzwischen sollte sich doch eigentlich herumgesprochen haben, dass es nicht das Fett ist, das dick macht, sondern der Zucker. 

Die beiden mochten dann nicht mehr warten, bis wir unsere Sachen zusammengepackt hatten, denn schliesslich war das Wetter gut und Bree drängte wohl darauf, den Skibus zu nehmen. Brees Mann verabschiedete sich sehr herzlich von uns (diesmal mit Küsschen!) und reiste dann mit der Tochter heimwärts. Mein Mann und sein Herzblatt gingen auf den Skibus und ich packte mit den Kindern noch in aller Ruhe die Kleider und Schulsachen zusammen, warf den Wohnungsschlüssel in den Briefkasten und fuhr mit meinem Schatz und den Kindern zurück ins Unterland fuhr. Dort verbrachten wir noch zwei  entspannte Tage in meiner Wohnung, bis er wieder nach Berlin zurückfliegen musste.

Die folgenden Tage war ich irgendwie komisch drauf. Sehr melancholisch, ohne dass ich genau hätte sagen können, weshalb. Zudem begann mich all das Unerledigte in meiner Wohnung zunehmend zu belasten. 

Ich habe das dringende Bedürfnis, aufzuräumen bzw. meine Wohnung endlich auf Vordermann zu bringen. Die letzten zehn Monate waren so unglaublich intensiv und es gibt immer noch viele Kisten mit Kleidern und Hausrat, die noch nicht ausgepackt und geordnet sind! Gebügelt habe ich seit Wochen nicht mehr und es liegen noch drei Regale und ein Pult herum, die darauf warten, zusammengeschraubt zu werden. Es braucht wirklich Zeit, bis alles eingerichtet ist und die Lampen sind auch nur eine Notlösung, die ich meinem Vormieter abgekauft habe. Das TV-Regal habe ich am 2. Februar noch mit meinem Schatz montiert und es ist auch nicht so, dass ich in all der Zeit nichts getan hätte. Aber die Weihnachtsvorbereitungen hatten viel Zeit in Anspruch genommen und auch mein Papierkram ist nach wie vor ungeordnet. Und ich habe keine Ahnung, wo ich die Weihnachtsdekoration  unterbringen soll, die ich aus dem Haus geholt und teilweise neu gekauft habe. Und ich sollte Rechnungen bezahlen, Kinderkleider aussortieren, meinen Schlafzimmerschrank endlich richtig einräumen und noch ganz viel mehr!



Ungeordnetes, soweit das Auge reicht…
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt.
Und drei grosse Papiertüten mit ungebügelter Wäsche! 


Ich habe viel erreicht in den vergangenen zwölf Monaten, aber ich war auch oft unterwegs. Nun muss ich mich vermehrt um meine Wohnung kümmern, um den Haushalt und meinen Bürokram. Die 800 ungelesenen Mitteilungen in der Mailbox, die mir mein Handydisplay aktuell meldet, sind symptomatisch für all das Unerledigte, das mich zunehmend belastet. Es ist eine von drei Mailboxen… So viele liebe Menschen warten auf ein Mail von mir und ich weiss, dass ich auch meinen Blog-Lesern im Moment nicht gerecht werden kann. Nehmt es bitte nicht persönlich und seid mir nicht böse! Nachts lese ich in schlaflosen Stunden in meinen Lieblingsblogs und hätte oft das Bedürfnis, einen Kommentar zu hinterlassen, mein Mitgefühl auszudrücken, zu ermuntern etc. aber ich komme  momentan einfach nicht wirklich dazu.

Ich werde mich nun eine Weile zurückziehen und wenn ich meine "To do-Liste" soweit abgetragen habe, dass das Unerledigte nicht mehr so offen sichtbar ist und mich nicht mehr belastet, werde ich diesem Blog hier das längst überfällige neue Outfit verpassen und wieder regelmässiger aus meinem Leben berichten! 

Bis dahin werde ich gerne bei Euch weiterlesen und hoffe, Ihr bleibt mir treu, bis es hier wieder weitergeht.  


Herzlich,

Eure Rosalie



Blick aus meinem Wohnzimmerfenster: 
mein Lieblingsarrangement im Abendlicht.



P.S. Wer's noch nicht gelesen hat: Sylvester aus der Sicht meines Liebsten!


Donnerstag, 26. Dezember 2013

Glücklich getrennt …

… lasse ich das alte Jahr ausklingen! 

"Schon verrückt, wie sich Dinge innerhalb von nur einem Jahr ändern können!" sagte meine Schwägerin an Heilig Abend zu mir. "Ja! Unglaublich, nicht wahr?!" antwortete ich.  

Letztes Jahr waren wir noch eine  so genannt "normale" Familie und heuer erzählt mein Mann am Weihnachtsabend seinem Bruder und der Schwägerin von seiner tollen neuen Freundin und man fragt mich nach meinem Freund aus Berlin! Und trotzdem feiern wir wie in den vergangenen zehn Jahren Weihnachten in der Wohnung meiner Schwiegereltern, essen Fondue Chinoise, singen Lieder im Kerzenschein des Weihnachtsbaums und der 87jährige Schwiegervater fragt die vegetarisch lebende Schwägerin einmal mehr, ob Sie denn das feine Fleisch vom besten Metzger im Bezirk wirklich nicht probieren wolle! Und die Tischrunde rollt mit den Augen und alle sagen leicht enerviert  "Vaaaaater!! …" und insgeheim fragt sich jeder, ob das nun schon die sich langsam bemerkbar machende Altersdemenz ist oder ob er nicht doch schon immer so gewesen ist…

Same procedure as every year. Alles in allem ein netter Heilig Abend. Das  bestimmende Auftreten meines Ehegatten lässt mich zwar noch immer nicht kalt, aber deutlich kühler als auch schon. Und als er gegen halb elf auf dem Sofa einnickt, fühle ich mich seltsam unbeteiligt und ich bin so dankbar, dass ich gegen Mitternacht mit den Kindern in MEINE Wohnung fahren kann! Alles ist gut!

Ich liebe meine Wohnung! Am 25. Dezember haben wir zum ersten Mal bei mir gefeiert! Ich habe mit meiner Tochter den Weihnachtsbaum geschmückt und wir haben den Tisch für elf Personen gedeckt. Mein Mann hat sich dann später um das Raclette gekümmert.  Es war ein gemütlicher Abend im Kreise meiner Familie. Nur zwei Menschen haben gefehlt. Der eine hat uns vielleicht von oben zugeschaut, der andere hat 1000 km entfernt ein Glas Wein getrunken und war in Gedanken ganz nah bei mir.



Nun bin ich alleine. Mama ist heute Mittag nach Hause gefahren und meine Kinder mit ihrem Vater in die  Ferienwohnung! Das geräumige Auto war mal wieder voll bis unters Dach. Ich habe ihm geholfen, die ganze Ware einzuladen, die es braucht, um eine Woche in einer Ferienwohnung zu verbringen, die erst spärlich eingerichtet ist! Küchenartikel, Lebensmittel, Skibekleidung, Spiele, eine Tasche mit Monster High Puppen,  elektronische Geräte, … und ich habe die Kleider für die Kinder eingepackt! Meinen Kindern zu Liebe.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Es gibt wieder eine Ferienwohnung. Neun Monate, nachdem wir die letzte aufgelöst haben. 

Vor ein paar Tagen meinte mein Mann zu  mir: "Nach dieser Trennungsvereinbarung kann ich nur noch Cervelats essen!" … Worauf ich mit einem Lächeln konterte:  "Solange Du sie in einer 5-Zimmer-Ferienwohnung im Berner Oberland essen kannst, geht es ja noch… !"  ;-)

Am Freitag, den 13. haben wir sie unterschrieben, unsere  Trennungsvereinbarung!!!! Endlich! Und ich bin hart geblieben! Habe nicht mit mir feilschen lassen! Ich bin stolz auf mich. Dass er zwei Wochen vorher einen Mietvertrag für eine Ferienwohnung in den Bergen unterzeichnet hat, machte es mir einfacher! Für einmal habe ich nicht aus Gutmütigkeit zurückgesteckt und eingelenkt. Er hat sich damit abgefunden. Das Ganze hat sich angefühlt wie ein Geschäftstermin. Als er gemerkt hat, dass ich nicht mit mir feilschen lasse, hat er rasch eingelenkt und eine Viertelstunde später haben wir die druckfrische Trennungsvereinbarung unterschrieben!! Es blieb keine Zeit für einen Kaffee danach. Er musste gleich weiter zum nächsten Termin.

Der Anwalt hat uns viel Glück gewünscht und uns ermuntert, diesen anständigen Umgang miteinander beizubehalten. Nun ja, … mein Gatte konnte sich eine abfällige Bemerkung in Richtung "haushälterische Qualitäten" meinerseits nicht verkneifen und er hat mich damit so getroffen, dass ich den ganzen Tag wie neben mir gestanden bin und nach einem Einkaufsmarathon in verschiedenen Möbelhäusern auf der Rückfahrt im Auto nur noch geheult habe. Vielleicht war es auch die Erkenntnis, dass mein Mann unsere Ehe eben wie ein "Business" geführt hat, wie ein Freund von mir einmal treffend bemerkt hat. 

Mein Anwalt hatte die unpassende Bemerkung galant mit  "Die Wahrnehmungen gehen hier offensichtlich sehr auseinander, aber das ist ja auch der Grund, weshalb Sie hier sind." quittiert. Ja, er hat es auf den Punkt gebracht.  Es hat mir einmal mehr bestätigt, dass meine Entscheidung richtig gewesen ist. Im Nachhinein frage ich mich, weshalb ich so lange damit gezögert habe.

Nein, mein Gatte wird keine Cervelats essen müssen. Es reicht immer noch für ein Lammfilet einmal die Woche und er wird auf seine älteren Tage auch nicht damit beginnen, billigen Wein zu trinken. Und ich bin auch zufrieden. Win-Win!

Nun sitze ich ganz relaxed in meiner Wohnung und geniesse den freien Abend! Wäre ich noch mit ihm zusammen, würde ich jetzt stundenlang Schränke einräumen, Betten beziehen, nach dem Essen die Küche machen, während er mit einem Glas Wein in der Hand mit den Kindern eine DVD schaut und morgens um sieben Uhr "contre coeur"  aufstehen, um rechtzeitig an der Talstation der Gondelbahn zu sein,  bevor die ganzen Tagestouristen aus dem Flachland anreisen.

Statt dessen kann ich jetzt in aller Ruhe dieses Post schreiben, längst überfällige Mails beantworten, ein wenig haushalten, ohne dass jemand ständig etwas von mir will, meinen Koffer packen und online einchecken! Morgen Abend fliege ich nämlich nach Berlin!! :-)

Ach ja, … -  mein Liebster hat inzwischen meinen Mann kennengelernt! Sie haben sich ganz gut unterhalten! Jedenfalls so lange bis mein Mann ein SMS erhalten hat und wieder in seinen gewohnt gehetzten Modus verfallen ist und überstürzt  ein Haus weiter musste. 

Und mein Schatz hat mich darauf aufmerksam gemacht, wie sehr ich mich von der Hektik meines Nochgatten anstecken lasse! Ich habe ihm nämlich für die  Einrichtung seiner neuen Ferienwohnung ein paar Möbel überlassen, die ich aus der letzten Ferienwohnung übernommen hatte und für die ich keine Verwendung mehr habe. Vor allem mein grosses Eisenbett, das zwar wunderschön ist, mich jedoch aus unerfindlichen Gründen keine Nacht durchschlafen lässt. Ich habe mir nun mein Traumbett geleistet, das allerdings erst Ende Januar geliefert wird. Bis dahin werde ich - gutmütig wie ich bin -  mit dem  Bettsofa vorlieb nehmen. Das Eisenbett zügelt im übrigen zum dritten Mal innert fünf Jahren in besagtes Bergdorf!

Schon crazy! Ich habe mit meinem Mann in den letzten sechs Jahren dreimal eine Ferienwohnung eingerichtet und wieder aufgelöst! Nun reicht's! Er braucht den Stress offensichtlich und ich bin so froh, dass ich diesen Zirkus nicht mehr mitmachen muss! 

Als mein Mann durch meine Wohnung gewirbelt ist und Kommandos verteilt hat ("KINDER!!!" - "Zieht Eure Schuhe an und helft beim Tragen!" - "ROSALIE!!!" - Du kannst schon mal dieses und jenes zum Transporter tragen …" etc. ), war ich ständig in erhöhter "Alarmbereitschaft". Mein Mann verbreitet Hektik und Unruhe ohne Ende. Nachdem ich die Wohnungstür hinter ihm geschlossen hatte, konnte ich endlich durchatmen und der Adrenalinspiegel näherte sich wieder einem gesunden Niveau. Ich habe meinen Liebsten umarmt, wir haben uns geküsst und gelacht. Es war ein Gefühl wie die Ruhe nach dem Sturm! Wie habe ich das bloss all die Jahre mit diesem Mann ausgehalten? Er ist sowas von anstrengend! 

Mit meinem Liebsten kann ich zur Ruhe kommen. Ich geniesse das so sehr. Ich bin glücklich! :-)

Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch und   ganz viel Glück, gute Gesundheit und dass sich Eure geheimen Wünsche und Sehnsüchte im 2014 erfüllen mögen! 

Eure Rosalie



Freitag, 6. Dezember 2013

Ausser Spesen nüscht jewesen!


Gestern Nachmittag waren wir noch guter Dinge… 

Ich habe mich in Zweckoptimismus geübt, obwohl mir meine Freundin D. schon am frühen Morgen laufend ihre äusserst pessimistische Einschätzung der Lage in Bezug auf die weitere Entwicklung des Sturmtiefs Xaver aufs Handy geschickt hat. Inkl. Grafik-Updates und Links zu den Medienberichten! Sie sprach schon am Morgen davon, dass es obsolet sei, zum Flughafen zu fahren, da der Abendflug nach Berlin sicher nicht stattfinden würde.

Wir wollten es nicht wahrhaben. Wir hatten uns so sehr auf meinen Berlinbesuch gefreut. Zusammen über die Weihnachtsmärkte schlendern, Glühwein trinken, kuscheln, …

Alles hatte so perfekt gepasst, als wir Ende Oktober ein Zeitfenster gefunden und die Flüge gebucht hatten. Nein, das wollten wir uns von einem dämlichen Sturmtief nicht verderben lassen. Noch bestand Hoffnung: 






Als ich um 17.16 h den Zug nach Genf bestieg, hatte ich schon ein mulmiges Gefühl… Aber meine German-Wings-App meinte, dass der Flug planmässig stattfinden würde und mein Schatz war sehr zuversichtlich! 

Und dann das:




Sooooo schade! Wir hatten uns so auf die zwei gemeinsamen Tage in Berlin gefreut. :-(

Ein Donnerstag zum Abschreiben. Mal abgesehen vom Lunch mit meiner Freundin M. Ich hatte in der Nacht zuvor nur wenig geschlafen, am Morgen gab's ein Gespräch mit dem Chef, am Nachmittag eine bemühende Ausbildungsveranstaltung, die ich früher verlassen musste, um nach Hause zu fahren, die Schotten dicht zu machen und rechtzeitig am Bahnhof zu sein, um noch ein Zugticket zu lösen. 

Und um 22.00 Uhr bin ich müde und enttäuscht wieder nach Hause gekommen,  anstatt in Berlin aus dem Flieger zu steigen und meinen Schatz in die Arme zu schliessen. 63 Franken für die Zugfahrt und die Parkgebühr zum Fenster rausgeworfen und die Kosten für den Rückflug mit Easyjet kann ich auch abschreiben. Und nun müssen wir uns weitere zwei (!!) Wochen gedulden. Eine lange Zeit, wenn man Sehnsucht hat. :-( 

Manchmal sind 1000 km Entfernung schlicht nicht zu überbrücken. Die nächste Möglichkeit, um nach Berlin zu fliegen, wäre am Donnerstag Abend. Sagt meine Agenda. Aber weit und breit kein günstiges Angebot.  440 Franken für anderthalb Tage Zweisamkeit sind leider ein zu hoher Preis.  Und so müssen wir uns in Geduld üben und sehnen den 19. Dezember herbei.






Montag, 2. Dezember 2013

Happy Patchwork (2)

"Ziemlich schräg! Wirklich crazy! Aber warum nicht?" quittierte mein zwölfjähriger Sohn meine Frage, was er denn von einem gemeinsamen Sylvester in Patchwork-Formation halten würde.

Ich entgegnete, dass er im Himmel bei der Elternverteilung  ein ziemlich spezielles Paar abgekriegt hätte… Wir haben beide herzhaft darüber gelacht. Überhaupt lachen wir viel in letzter Zeit. :-)

Piccolina findet es cool: "Weisst Du, Mama… -  Papas Freundin  ist eine Nette und Dein Herr B. ist auch ein Lieber. Also - wo ist das Problem?!" zog Schultern und Augenbrauen hoch, machte eine theatralische Geste und verschwand in ihrem Zimmer, um neue Möbel für ihre Monster High Girls zu basteln. Seit den Herbstferien ihre absolute Lieblingsbeschäftigung.

Okay! Grünes Licht von Seiten der Kinder. Sieht sehr nach einem gemeinsamen Sylvester im erweiterten Kreis aus!

Zur Vorgeschichte:

Mein Mann hat sich anlässlich der "Kinderübergabe" vor zwei Wochen nach meinem Liebsten erkundigt und wollte wissen, ob denn "mit Berlin" noch alles in Ordnung sei. Ich konnte die Frage bejahen, was er wohlwollend zur Kenntnis nahm. Dann verkündete er mir die frohe Botschaft, dass er jetzt auch eine Freundin habe! 

Er machte ein paar Andeutungen und platzte dann mit dem ersten "Highlight" heraus: "Weisst Du, es ist ein wenig speziell… Nun ja. Es ist wirklich speziell! Du glaubst es nicht, aber… -  sie heisst gleich wie Du!!" 

Ich prustete los: "Ist jetzt nicht Dein Ernst, oder?" 

Die Sache ist nämlich die: mein Schatz trägt den gleichen Vornamen wie mein Mann!!  ...
Wir haben es also beide fertig gebracht, einen neuen Partner bzw. eine neue Partnerin zu finden, der/die  den selben Vornamen trägt wie sein Vorgänger bzw. seine Vorgängerin!! Doch damit nicht genug: Seine Freundin hat eine Tochter. Das Mädchen ist 15 und hat den selben Vornamen wie unser Sohn!  Schreibt sich nicht genau gleich, klingt akustisch aber identisch! 

Was sich das Universum wohl dabei gedacht hat?! 

Als er mir Anfang November erstmals von ihr erzählt hatte, erwähnte er, dass sie ihn und die Kinder am 21. Dezember zu sich zum Essen eingeladen hat. "Ziemlich nah an Weihnachten…"  hab ich mir gedacht. Dann erzählte er mir, dass sie ebenfalls in Trennung lebe und sich mit ihrem Mann gut verstehe. Er werde ihn bald kennenlernen. Und sie möchte mich auch gerne kennenlernen. Happy Patchwork all over the place! 

Meine Vision von gemeinsamen Ausflügen mit dem Segelschiff zusammen mit unseren neuen Partnern und unseren Kindern scheint sich ja vielversprechend zu entwickeln! 

Eine Woche später, als ich die Kinder am Sonntag bei ihm abholte, habe ich vorsichtig nachgefragt, ob mit der neuen Liebe noch alles in Ordnung sei… Er bejahte und liess verlauten, dass er sie vor zwei Tagen mitsamt Teenie-Tochter zum Abendessen eingeladen hätte! Um sie unseren Kindern vorzustellen: als seine neue Freundin!! Und dann zeigte er mir auf dem iPad flugs die Fotos der drei Kinder, wie sie Blondschopf an Blondschopf  auf dem Sofa sassen. Piccolina hatte ganz rote Wangen vor Aufregung. 

Unser Sohn hat sich dann am nächsten Tag erkundigt, ob sie (Papa und Kinder) denn jetzt zu ihr ziehen müssten oder ob sie (die neue Freundin und deren Tochter) zu ihnen ins Haus kämen… Die Dame scheint ja einen ziemlichen Eindruck hinterlassen zu haben! Papa hat gesagt, dass das noch kein Thema sei. Sie wohnt selber in einem Haus. Gott sei Dank.

Eine Woche später: Einladung beim Patenonkel unserer Tochter. En Familie!  Ich erzählte ein wenig von Berlin und von meinem Liebsten und mein Mann plauderte aus dem Nähkästchen. Er konnte es gar nicht erwarten, mir auf seinem iPhone Fotos von seiner Neuen zu zeigen! 

Bild Nr. 1: Madame im Abendkleid vor einem Cheminéefeuer. Eine grosse Frau mit sportlicher Figur, attraktiven Gesichtszügen und langen Haaren. 

"Attraktiv! Empfängt sie Dich immer in Abendrobe, wenn Du sie besuchst?" Ich konnte mir die Bemerkung nicht verkneifen... ;-)

Er erklärte mir dann, dass sie sich ein festliches Kleid für einen bestimmten Anlass gekauft habe und es ihm vorführen wollte. Ganz schön selbstbewusst. Und später erzählte er noch, dass die Teenie-Tochter sich beklagt hätte, dass sie beide wie Teenager auf dem Sofa rumknutschen würden, sobald sie kurz den Raum verlasse…. 

Foto Nr. 2: Brustbild von der Seite. Ziemlich muskulöse Oberarme. Sieht aus, als ob sie viel Sport treibt. Ich sehe ihn im Geiste schon mit seiner Neuen joggen. Er hasst joggen.

Nebenbei erfuhr ich, dass er sich neuerdings im Kino Musikfilme anschaut. Anschauen muss, wie er einräumte. Was macht man nicht alles, um einer attraktiven Frau zu gefallen...

Ich blickte ihn mit weit aufgerissenen Augen an und erinnere ihn an das Fiasko, als wir uns vor ein paar Jahren auf meine Bitte hin endlich alle zusammen auf dem heimischen Sofa eingefunden hatten, um uns (als vermutlich letzte Familie in Mitteleuropa) die DVD von "Mamma Mia" anzuschauen!  Und wie er sich darüber lustig gemacht hatte, dass die in dem Film ja alle singen ("So blöd - ein Musikfilm….!")  und dass in dem Film ja überhaupt keine "Sternenzerstörer" vorkämen... Und unser Sohn ist damals gleich auf den Zug aufgesprungen und hat ins selbe Horn geblasen.  Piccolina und ich haben die beiden Jungs dann aus dem Wohnzimmer verbannt, weil wir den schönen Film geniessen wollten, ohne uns blöde Bemerkungen anhören zu müssen. 

Und dann kam die Rede  auf Sylvester. Ich erwähnte, dass ich mir den Tag frei gehalten hätte, da ich gerne mit den Kindern feiern würde:  "Ich komme extra deshalb am 30. Dezember aus Berlin zurück!"  

Er will auch mit den Kindern feiern. Aber seine Neue möchte er auch gerne dabei haben: "Ich möchte eigentlich gerne mit Euch beiden feiern und natürlich mit den Kindern. Sie hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn Du auch dabei bist!" Das musste ich erst mal sacken lassen…

"Spinnst Du? Womöglich noch in Deinem Haus? Willst Du Dir das wirklich antun?" Das war die Reaktion meiner Freundin N., als ich ihr am nächsten Tag auf Skype davon erzählte.

Am selben Abend griff ich zum Telefon und fragte meinen Mann, ob er denn etwas dagegen einzuwenden hätte, wenn mein Schatz aus Berlin auch mit dabei wäre? "Aber nein. Wieso denn? Ich dachte nur, er hätte schon etwas los, weil Du alleine von Berlin heimfliegst, deshalb hab ich nichts gesagt…"

Eine knappe Stunde später waren zwei Flüge gebucht! Mein Liebster und ich werden nun also am 30. Dezember zum ersten Mal zusammen ein Flugzeug besteigen und in die Schweiz fliegen!

Das wird vermutlich ein denkwürdiger Jahreswechsel. Mal schauen, wen wir sonst noch so alles einladen könnten. Vielleicht ihren Noch-Gatten mit weiblicher Begleitung (Trennungsgrund)? Ein befreundetes Paar, das dieses Jahr eine handfeste Ehekrise überstanden hat? Quasi als ruhender Pol? ;-)




Wie dem auch sei... Hoffentlich hält seine Beziehung bis Ende Dezember! Das Fest soll übrigens auf neutralem Terrain stattfinden. In einer Ferienwohnung in den Bergen.

Ziemlich schräg das alles, n'est-ce pas? 

Und da ist noch was:  Die neue Freundin hat einen FB-Account. Mein Mann jetzt auch. Ihr zuliebe. Ein wenig contre coeur, wie ich herausgespürt habe. Es war ein Deal. Sie muss in einem anderen Bereich über ihren Schatten springen…

Ich habe natürlich bei ihr reingeschaut. Die Freunde sind öffentlich und der Chronologie ist zu entnehmen, dass sie am 2. November ihren Status wie folgt geändert hat: "In einer Beziehung mit X.Y".  Ein gutes Dutzend Freunde fanden das toll und haben in den folgenden Tagen gratuliert. Und seit kurzem können sie nun auf seinen Namen klicken und landen auf seinem FB-Account und unter seinem Portrait steht… - na was wohl?  "In einer Beziehung mit "A.B.".  

Was mich an der Sache ein klein wenig irritiert: Das Datum der Statusänderung. Es  ist identisch mit dem Tag ihres ersten Treffens! 

Zwei Tage vorher wusste er noch gar nicht, dass sie existiert. So hat er es mir jedenfalls erzählt. Die Dame scheint sich ihrer Sache sehr sicher zu sein! Muss ja der Hammer gewesen sein, das erste Treffen… Er hat immerhin noch gute zwei Wochen gewartet, bis er sein neues Glück (vermutlich nicht aus eigenem Antrieb...) publik gemacht hat.


Nun, ich hoffe, er wird nicht enttäuscht!  Ich mag ihm das neue Liebesglück wirklich gönnen und wenn er happy ist, geht es uns allen gut.  Und ganz ehrlich - ich verspüre nicht die Spur von Eifersucht!

Ich bin sehr gespannt auf Sylvester! ;-)